Ist man noch dazu ein paar Jahre älter, hat vielleicht das genossen, was früher „eine gute Kinderstube“ hieß und eigene Erfahrungen gesammelt, kommt man an manchen Tagen aus dem Staunen (oder Ärgern) nicht mehr heraus. Es sei denn, man ist so abgestumpft, dass man sich über gar nichts mehr wundert. Wen man da in der Metro so alles treffen kann …
… immer beliebter werden die Flaschenkinder. Nein, nicht die Babys im Kinderwagen, denen die Mutter zwischendurch mal die Flasche reichen muss, weil sie sonst schier verhungern. Ich meine junge Leute, die in allen Lebenslagen eine Wasserflasche bei sich führen, einen Kaffeebecher, eine Trinkflasche mit Limonade oder grünem Tee oder zu allen Tages- und Nachtzeiten immer beliebter: die offene Flasche Bier.
Du meine Güte, können sie ihren Kaffee nicht zu Hause trinken, bevor sie losfahren? Sind sie so undiszipliniert, dass sie nicht bis nach der Fahrt warten können, um ein Glas Wasser am Ziel der Reise zu trinken – oder ihr Bier in der Kneipe?
Warum müssen überall leere (oder auch schon mal noch halb-volle) Kaffeebecher herumtrudeln und den Fußboden versauen? Warum können Sekt- oder Bierflaschen nicht im Mülleimer (auf jedem Bahnhof und an fast jeder Bushaltestelle vorhanden) entsorgt oder womöglich ordnungsgemäß zurück gegeben oder im Glascontainer deponiert werden?
– Wahrscheinlich ist das mit den leeren Flaschen als soziale Wohltat für die Flaschensammler gedacht, damit sie sich nicht die Finger schmutzig machen müssen.
Der ganze Wagon riecht nach Knoblauchsauce oder Hamburgerfett und das Verpackungsmaterial wird gleich an Ort und Stelle dezent in die Ecke geknautscht – sollen andere doch den Müll wegräumen.
… mögen Sie es auch so gerne, wenn Ihnen gegenüber jemand sitzt, der sich vor lauter Langeweile mit Sonnenblumenkernen oder Pistazien voll stopft? Die Kerne müssen natürlich frisch geschält sein, sonst ist der Genuss ja nur halb so groß – und das Abfallmaterial ist dann im großen Halbkreis um den ganzen Platz verteilt. Wie gesagt: putzen müssen ja die anderen.
… In den 70er Jahren des vorherigen Jahrhunderts gab es einen Song, der hieß „Spiel’ nicht mit den Schmuddelkindern“. Heute bleibt einem gar nichts anderes übrig. Egal ob auf dem Weg zur Arbeit oder zurück nach Hause, verschmutzte Garderobe wird nicht mehr gewechselt.
… neuerdings habe ich festgestellt, dass nicht nur künftige Gehörlose - mit den Stöpseln in den Ohren und eingeschalteter überlauter Musik (die man problemlos mithören kann) zur potenziellen Vernichtung des Gehörs - in den öffentlichen Verkehrsmitteln vor sich hin dösen. Gerade unter Mädchengruppen ist es inzwischen sehr beliebt, einen ganzen Wagen mit ihrem Geschnatter und den neuesten Nachrichten – übrigens in den verschiedensten Sprachen: nicht nur in Arabisch oder Türkisch, sondern auch in Russisch und Polnisch zu unterhalten und dabei ihre Handys oder I-Pods auf voller Lautstärke mitlaufen zu lassen. Sehr informativ, ist man doch so gleich über den neuesten Musiktrend informiert.
… Wenn wir Besuch aus dem Norden oder Süden Deutschlands bekommen oder Freunde aus dem Ausland in Berlin sind, sind solche U-Bahn-Fahrten immer wieder beliebt und werden zu Hause oft kolportiert. Wo findet man schon Straßenmusikanten, die nicht nur vor den Bahnhöfen, in den Gängen oder auf den Perrons spielen, sondern stationsweise die Reisenden begleiten. Ein bisschen Akkordeon hier, etwas Gitarre dort, mal mit Trompeten- oder Zitterbegleitung oder sogar mit einem tragbaren großen Xylophon wird munter vor sich hin geträllert und hinterher um eine kleine Spende gebeten.
Natürlich gibt es auch Mitmenschen, die ohne „Einsatz“ um eine Spende bitten, weil sie krank sind, nicht sprechen und/oder hören können, kein Obdach und nichts zu essen oder einen Hund haben, den sie gerne ernährt wissen würden. – Ganz professionell treten in diesem Zusammenhang auch die Verkäufer von Straßenzeitungen auf, die gern eine zusätzliche Spende mitnehmen „oder etwas zu essen“. Bietet man ihnen allerdings tatsächlich etwas zu essen an – zum Beispiel einen Apfel – gucken sie einen doch sehr irritiert an, nach dem Motto „so war das eigentlich nicht gemeint“. Und die Sache mit dem „Bitte“ und „Danke“ hat auch niemand mehr drauf.
Sollten Sie ein passionierter Autofahrer sein, gönnen Sie sich einfach einmal eine Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in Berlin – die U-Bahn ist da besonders zu empfehlen: Sie werden aus dem Staunen nicht mehr heraus kommen!
In diesem Sinne „eine erlebnisreiche Reise“, wohin auch immer es Sie treibt.







