
Einladung an alle Neuköllner Bürger, sich am Kunstprojekt „SOZIALPARKETT“ zu beteiligen. Am 23. März 2010 wurde uns das neueste Kunstprojekt der Schweizer Künstlerin Barbara Caveng vorgestellt. Es trägt den Titel „Sozialparkett“ und wird am 29. August 2010 im neu eröffneten Heimatmuseum Neukölln im Schloss Britz der Öffentlichkeit vorgestellt.
Was ist ein „Sozialparkett“? Wie jedes andere Parkett auch, wird es aus exakt verlegten Holzpanelen, nach einem systematisch vorgegebenen Muster zu einem begehbaren Bodenbelag zusammengesetzt. Der Unterschied besteht allerdings in den Holzpanelen selbst:
Es sind nämlich ganz besondere Holzelemente. Das zu verarbeitende Material soll nach den Vorstellungen der Projektmacher aus dem unmittelbaren Lebensbereich (als auch aus dem weiteren sozialen Umfeld) der Neuköllner Bürger selbst kommen, d.h. aus Wohnungen, Betrieben, Lokalen, Büros, etc..
Alles, was sich zu Parkett verarbeiten lässt, z.B. Dachlatten, Regale, Arbeitspl
atten, Schrankteile – ob kunststoffbeschichtet, furniert, oder sonstwie bearbeitet – alles ist willkommen für die Verwirklichung des Projekts.
Die Bandbreite reicht sozusagen von der Spanplatte bis zum Edelholz. Wer also entsprechend verwertbare Holzteile hat, und sie nicht mehr braucht, sollte sie bei Frau Cavengs Team abgeben oder abholen lassen (Mindestmaße:40 cm x 10 cm x 1,4 cm). Damit wird jeder Spender einerseits zum direkten Förderer eines künstlerischen Prozesses, andererseits aber auch – wenn er will – selbst zum Teil der Ausstellung. Denn in einer angeschlossenen Fotogalerie, die alle Spender mit ihren Holzteilen abbildet, wird die Herkunft des Materials dokumentiert.
Von ganz anderer Herkunft wird ein weiterer Teil des Sozialparketts sein: Viele der später recycelten Parkettelemente stammen ursprünglich aus illegalen Müllkippen, die überall auf den Straßen Neuköllns zu sehen sind. Es ist erstaunlich, wieviele gut erhaltene Holzteile darin zu finden sind: Von abmontierten Küchenzeilen über Tischplatten bis zu Bettgestellen, ist so gut wie alles vorhanden. Auch solche ausrangierten „Straßenteile“ werden für das Parkett gesammelt. Gehen Sie also mit offenen Augen durch Neukölln! Und wenn Sie in einer wilden Müllkippe verwertbares Holzmaterial entdecken, informieren Sie bitte die Projektmacher um Frau Caveng.
Es sollte aber auch erwähnt werden, dass diese indirekten „Spender“, also die anonymen Müllentsorger, die asoziale Seite Neuköllns verkörpern, denn durch ihr rücksichtsloses Verhalten tragen sie bei zur zunehmenden Verwahrlosung des Bezirks. Aber diese negative Seite wird – momentan – durch die positiven Auswirkungem des Caveng-Projekts kompensiert; denn die illegalen Müllkippen sind eine unentbehrliche Fundgrube für das benötigte Material.
Eine Kuriosität am Rande ist, dass die Sammelaktion der Projektleute schnell und effizient vonstatten gehen muss. Hat die BSR erst einmal die wilden Müllkippen beseitigt, und ist das Material auf ihrem Recyclinghof gelandet, haben die Projektmacher das Nachsehen. Die BSR rückt nichts mehr davon heraus. Also: Selbst beim Müllsammeln ist Schnelligkeit entscheidend!
Der Begriff „Sozialparkett“ umfasst also viele Facetten des sozialen Lebes der Neuköllner. Und es gibt uns zudem einen Einblick in die Wohnkultur seiner Bewohner i
n einem weiten zei
tlic
h-kulturellen Rahmen. So können entsorgte Möbel, die aus früheren Zeiten stammen, an längst vergangene Wohnstile und kulturelle Traditionen erinnern, und vielleicht sogar
historische Ereignisse in Erinnerung bringen. Individuelle Markierungen auf dem Holz , wie Beschriftungen, Übermalungen, Einritzungen, selbst kleinere Schäden, alles bleibt – trotz der Bearbeitung – erhalten. Gerade diese besonderen Merkmale im Parkett werden vermutlich bei etlichen Besuchern für so manchen Wiederekennungseffekt sorgen.
Und IKEA, als das Markenzeichen unserer modernen Zeit, ist inzwischen überall präsent, mit Sicherheit auch im Sozialparkett. Wenn zum Schluss das zusammengetragene Material durch den Bearbeitungsprozess in einen begehbaren Bodenbelag umgewandelt sein wird, ist er tatsächlcih zu einem „sozialen Parkett“ geworden: Denn viele Helfer haben an seiner Realisierung mitgewirkt. Von den
interessierten Stadtteilbewohnern über die engagierten Freiwilligen und Handwerker
der Caveng-Truppe bis hin zu den Sponsoren. Sie alle waren überzeugt von der Idee, dass völlig entwertetes Material – nämlich Müll – durch künstlerische Fantasie und handwerkliches Geschick genau zu jener „Sozialen Skulptur“ würde, wie sie Frau Caveng vorschwebte. Wenn Sie jetzt Lust haben, bei diesem spannenden Werk mitzumachen, und sich das Ergebnis am 29. August 2010 im Schloss Britz ansehen wollen, sind Sie herzlich eingeladen!
Sozialparkett-Sammelstelle Heimatmuseum Neukölln Okerstraße 4 Schloss Britz 12049 Berlin Alt-Britz 73 Tel.: 4497491 12359 Berlin Tel.: 609732-0 Öffnungszeiten Dienstag und Donnerstag 15°° Uhr - 18°° Uhr Samstag 13°° Uhr - 18°° Uhr








