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Chronik der Düfte

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Der Beginn der Dufthistorie wurde bereits zu Urzeiten eingeleitet.

Um sich den Göttern zu nähern verbrannten die Menschen wohlriechende Pflanzen und Kräuter und schickten durch den Rauch »Per fumum« ihre Botschaften und Gebete gen Himmel. Seitdem zog sich der Weg der Düfte wie ein fließendes Band durch die Epochen der Zeit.

Die Ägypter verbrannten und opferten schon 5000 Jahre vor Christus aromatische Gewürze und duftende Kräuter zu Ehren ihres Sonnengottes Ra. Schon bald entdeckte auch das wohlhabende ägyptische Volk die duftenden Körperöle und -salben für sich. Ein erstes Duftwasser mit dem Namen Kyphi enthielt Honig, Wein, Trauben, Myrrhe, Ginster, Safran und Wacholder.
Durch die Hebräer, die als ehemalige ägyptische Sklaven die Parfümherstellung erlernten, wurde das Wissen überliefert. Sie nutzten es für religiöse, kultische Zwecke und in der Kunst der Verführung. 700 Jahre vor Christus pflegte man den Ritus der Parfümherstellung in Babylon, Ninive und Karthago.

In Indien wusch man Götterstatuen mit Duftwasser, nahm duftende Bäder und pflegte seinen Körper mit Rosenholzöl, während in Griechenland die Heilwirkung von Düften das Interesse weckte. Zur Heilung bestimmter Krankheiten empfahl der berühmte griechische Arzt Hippokrates parfümierte Bäder und Massagen.
Die Römer zelebrierten in wohlhabenden Kreisen regelrechte Duftorgien und kannten bereits drei unterschiedliche Methoden zur Duftölgewinnung. Die Enfleurage (die Blütenblätter werden auf Fett gestreut), die Mazeration (die Duftpflanzen werden in erhitztes Fett gegeben) und das Auspressen.
Die Araber erfanden das Verfahren der Destillation (entzieht den Duftpflanzen durch Wasserdampf ihre Duftöle), welches auch heute noch praktiziert wird und die Lösung der Duftöle in Alkohol. Damit waren die Parfums, wie wir sie heute kennen, geboren.
Im frühen Mittelalter hingegen galt es als unredlich und verwerflich, sich zu parfümieren, doch mit den Kreuzrittern kehrte auch die Lust an schönen Düften wieder zurück. Mit der Verbreitung von Pest und Cholera erkannten die Menschen auch die hygienische Bedeutung der Duftstoffe und räucherten Krankenzimmer mit Wacholder und Rosmarin aus.

Durch die hohe Nachfrage am französischen Hof nach wohlriechenden Parfums blühte besonders im Venedig des 14. Jahrhunderts der Handel mit Zimt, exotischen Früchten, Muskat und Sandelholz.
Im Jahre 1370 entstand das Ungarische Wasser (Eau de Hongrie), welches sich mehrere Jahrhunderte auf dem Parfummarkt behauptete.
Im 16. Jahrhundert gelangte der Lavendel aus Spanien, eingeführt durch die Araber, nach Grasse in Südfrankreich. Demzufolge wurde Grasse zur Welthauptstadt des Parfums.
Durch die Renaissance in Italien wurde die Liebe zum Parfum in ganz Europa entfacht, bekam jedoch einen unangenehmen Beigeschmack durch die ausschweifende Anwendung des Adels unter Louis XIV am französischen Hof. Da in dieser Zeit die gründliche Körperreinigung verpönt war, ersetzte man diese durch Schwaden schweren Parfums. Als im 18. Jahrhundert die Hygiene wieder zunahm, wurden die Düfte leicht und fruchtig.
 
Die moderne Parfümerie wurde im Jahre 1693 durch Giovanni Paolo di Feminis einge-leitet. Er entwickelte und verkaufte zuerst in seiner Heimat Mailand, später in der deutschen Stadt Köln leichte Düfte, die man als »aqua mirabilis« (wundervolles Wasser) bezeichnete. Sein Neffe Jean-Maria Farina erschuf auf der Grundlage der Rezeptur seines Onkels im Jahre 1714 das Kölnisch Wasser. Einige Jahrzehnte später, am 08. Oktober 1792, entstand in Bezug auf die Hausnummer in der Glockengasse 4711 in Köln der Name des bis heute weltweit geschätzten Kölnisch Wasser 4711.
Zum Ende des 18. Jahrhunderts und im 19. Jahrhundert tauchten die ersten Namen großer Parfumeure, wie Mülhens, Lubin, Guerlain, Molinard und Houbigant, auf. Da der Gebrauch von Düften nun auch eine breitere Bevölkerungsschicht ansprach, wurden Neuerungen wie der Duftzerstäuber (Vaporisateur) und der Flakon erfunden. Zum Ende des 19. Jahrhunderts und im 20. Jahrhundert wurden die großen Klassiker wie Shalimar (1925) von Guerlain und Chanel No.5 (1921) von Coco Chanel kreiert.

In den darauf folgenden Jahrzehnten bekam das Parfum einen neuen Stellenwert in der Gesellschaft und unterstreicht bis heute die Persönlichkeit, das Lebensgefühl und den Stil des Trägers. Düfte bringen Glück, Abwechslung, Ästhetik und Freude in das Leben, und das seit Tausenden von Jahren.


Lexikon der Parfum-Fachsprache:

Eau - ist die französische Bezeichnung für Wasser. In einem Eau sind die Duftstoffe stärker mit Alkohol und mit Wasser verdünnt als in einem Parfum.
 
Eau fraîche - ist ein sehr leichtes Eau, mit einer Duftstoffkonzentration von 1 % bis 3 %
 
Eau de Cologne - ist ein leichtes Eau, mit einer Duftstoffkonzentration von 3 % bis 5 %.
 
Eau de Toilette - liegt in seiner Intensität im mittleren Bereich und verfügt über eine Duftstoffkonzentration von 5 % bis 10 %.
 
Eau de Parfum - ist das stärkste Eau, mit einer Duftstoffkonzentration von 10 % bis 15 %.
 
Kopfnote - ist der erste Eindruck eines Duftes, der 10 bis 15 Minuten anhält, und wird oft von Zitrusaromen bestimmt.
 
Herznote / Mittelnote - ist der zweite Eindruck eines Duftes. Sie entfaltet sich in der Mitte des Duftes, etwa 15 Minuten nach der Kopfnote, und wird oft von Floralaromen bestimmt.
 
Basisnote - ist der dritte Eindruck eines Duftes. Sie besteht aus Duftölen, die langsam verdunsten und lange haften (z.B. Ambra, Eichenmoos Moschus, Patchouli, Hölzer,Vanille).


Als Regel für die Anwendung von Düften sollte man folgendes beherzigen:

Je intensiver die Duftstoffkonzentration eines Duftes, desto sparsamer sollte dieser verwendet werden.

»Komplimente sind wie Parfum. Sie dürfen duften, aber nicht aufdringlich werden.«
Oscar Wilde (1854-1900)


Buchtip:

»Das Parfum«, ein Roman von Patrick Süskind, erschienen 1985
Die düster-faszinierende Geschichte spielt im 18. Jahrhundert in der südfranzösischen Stadt Grasse. Der Parfümeur Grenouille sucht schnüffelnd seine Opfer: Wohlriechende Mädchen. Er ersticht sie und entzieht ihnen den Duft, um so ein ganz einzigartiges Parfum zu gewinnen.
 

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